Ende Juli 2023 freue ich mich ganz besonders, als die Sommerferien endlich beginnen, denn ich haben mir sehr gewünscht, dass unser Baby mit seiner Geburt noch die Ferien abwartet. So müssen wir in den ersten Wochenbett-Tagen nicht die Mädels zur Schule bringen oder abholen. Und außerdem können unsere Töchter dann bei der Geburt dabei sein, wenn sie wollen.
Ich habe Glück – mein Wunsch wurde erhört und so bin ich froh, als die ersten Ferientage da sind und ich der Geburt ganz entspannt entgegenblicken kann.
Seit ein paar Tagen habe ich immer mal wieder das Gefühl, dass mein Bauch ziemlich hart wird und sich vielleicht schon für die Geburt vorbereitet. Beim letzten Besuch hat unserer Hausgeburtshebamme auch schon gemeint, das Baby liegt in perfekter Geburtsposition. Es hat aber auch noch genug Platz, also ist alles paletti und es könnte auch noch ein bisschen dauern bis zur Geburt.

Eines Nachts werde ich um halb zwei Uhr wach und merke, dass ich leichte Wehen habe. Ich schaue auf die Uhr und stelle fest, dass sie relativ regelmäßig, alle zehn Minuten kommen. Kurz darauf kommt mein Mann ins Schlafzimmer, der gerade auch nicht schlafen kann. Ich erzähle ihm von den Wehen und er fragt, ob er schon mal Wasser in den Geburtspool einlassen soll, aber das halte ich noch für zu früh. Also versuchen wir wieder zu schlafen, was nach einer Weile auch klappt.
Am nächsten Morgen sind die regelmäßigen Wehen weg, aber auf der Toilette verliere ich viel Schleim, das muss wohl schon der Schleimpfropf sein! Also kann es wirklich nicht mehr lange dauern.
Wie aufregend!
Ich schreibe unserer Hebamme eine Mail: „Hallo Sarah, ich denke gerade, dass unser Baby vielleicht doch heute noch kommt! 🙂 Hab seit heute Nacht immer wieder Wehen, der Schleimpfropf, oder zumindest ein Teil davon, ist auch schon abgegangen. Wir sind gespannt! Liebe Grüße Sophie“
Gegen Nachmittag kommen immer mal wieder auch kräftigere Wellen, aber nicht in regelmäßigem Abstand. Wenn ich auf dem Bett/Sofa liege, sind sie komplett wieder weg. Wenn ich aufstehe oder rumlaufe, spüre ich einen deutlichen Druck nach unten und immer wieder Wellen.
Ich koche noch ein leckeres Kartoffelgratin für uns und backe gegen Abend noch ein Brot.
Am frühen Abend kommt meine Schwiegermutter an, die für eine Weile bei uns bleiben wird, um uns im Wochenbett zu unterstützen.
Um circa 19 Uhr beschließe ich, unsere Hebamme Sarah anzurufen, und zu informieren, dass ich denke, dass das Kind in der Nacht noch kommt. Ich erzähle ihr von den Wellen, aber auch, dass sie sehr unregelmäßig sind und wenn ich liege, komplett verschwunden sind.
Ok, sagt sie, sie stellt sich drauf ein, dass ich vielleicht bald wieder anrufe.
Nicht lange nach meinem Anruf, um ca. 19.30 Uhr liege ich im Schlafzimmer auf dem Bett und höre ein ganz deutliches, leises „Plopp“.
War das etwa die Fruchtblase?
Ja, das war sie! Ich merke, wie etwas Fruchtwasser aus mir heraus läuft und gehe ins Bad aufs Bidet. Viel ist es aber nicht. Das Fruchtwasser ist ganz klar.
Jetzt rechne ich damit, dass die Geburt so richtig losgeht und so ist es auch.
Die Wellen werden jetzt auch im Liegen stärker und häufiger.
„Soll ich den Pool einlassen?“, fragt mein Mann wieder, aber ich will erstmal abwarten, ob die Wellen jetzt wirklich regelmäßig bleiben.
Ziemlich schnell stelle ich fest: Ja, das tun sie!
Also bitte ich meinen Mann, jetzt doch Wasser in den Pool zu lassen. Denn dass es eine gute Weile dauern wird, bis der Pool voll sein wird, wissen wir ja schon von den beiden ersten Geburten (hier findest du den Bericht der zwei selbstbestimmten Hausgeburten).
Ich rufe um ca. 20 Uhr wieder bei Sarah an und berichte, dass die Geburt jetzt wirklich los geht und ich damit rechne, dass es jetzt auch relativ schnell gehen wird.
„Ok, ich fahre sofort los“, sagt sie.
Die Wellen werden weiter kräftiger und ich bleibe noch eine kurze Zeit im Schlafzimmer, dann wechsle ich ins Wohnzimmer auf unser Bett-Sofa. Mein Mann lässt neben mir Wasser in den Geburtspool, aber das geht ziemlich langsam, weil der Wasserdruck nicht so hoch ist.
Meine Schwiegermutter werkelt mit unseren Töchtern Lavanda (10) und Fleur (8) nebenan in der Küche. Sie wollen die Schwarzwälder Kirschtorte, die schon vorbereitet ist, noch fertig machen.
Inzwischen werden die Wellen schon so stark, dass ich überlege, ob wohl rechtzeitig genug Wasser im Pool sein wird. Hätte ich meinem Mann doch nur etwas früher den Startschuss gegeben zum Befüllen! Es ist doch immer wieder das Gleiche! 😀
Aber die Wellen waren vorhin noch so unregelmäßig, dass ich unsicher war und vermeiden wollte, dass das Wasser am Ende zu lang im Pool wäre und dann wieder kalt werden würde.
Ich versuche, vor dem Bett zu knien, und mich mit den Armen aufzustützen, aber das ist nicht sonderlich bequem, also lege ich mich wieder seitlich hin und atme ins Kissen.
Um ca. halb neun ist Sarah da. Sie ist schnell gefahren und war flott hier. „Ist das Baby schon da?“, fragt sie. Es hätte sie nicht überrascht.
Nein, noch ist es drin, aber lange wird es nicht mehr dauern, so groß wie der Druck für mich schon ist.
Noch ein, zwei Wellen und dann merke ich, dass das Baby jetzt wirklich gleich kommt!
Ist schon genug Wasser im Pool?
Sarah meint, es würde reichen. Ich bin skeptisch, aber weiß, dass nicht genug Zeit bleibt, sonst kommt das Baby vor dem Pool.
Also ziehe ich in der nächsten Wehenpause hektisch mein T-Shirt aus. Sarah hilft mir mit den Socken. Dann noch die Hose aus und rein ins Wasser.
Ich knie mich an den Rand und hänge mich mit den Armen über die Poolwand. Im Gesicht ein feuchtes, kühles Tuch. Das habe ich schon seit einer Weile und bitte auch noch um einen kühlen Lappen für den Nacken.
Ich glühe.
Aber ich bin froh, im Wasser zu sein.
Das Wasser gibt mir Sicherheit, weil meine anderen zwei Kinder auch im Wasser geboren sind und die Wassergeburt daher etwas gut bekanntes für mich ist.
Sobald ich im Pool bin und die erste Welle kommt, spüre ich wieder, wie weit ich schon bin.
„Das Kind kommt JETZT!“, sage ich.
Der Pressdrang ist eindeutig schon da, ich muss mitschieben, spüre so deutlich, wie das Köpfchen schon raus will.
Bei den Wellen töne ich recht laut mit „Jaaa!“ oder „Aaah!“.
Lavanda und Fleur sind mit ihrer Oma inzwischen im oberen Stockwerk und richten das Gästezimmer her.
Ich probiere zwischendurch, ob mir auch die Pferdelippenatmung gut tut, wie ich sie bei Fleurs Geburt fast die ganze Zeit gemacht habe, aber da wird mir der Mund zu trocken. Und ich habe das Gefühl, der Kreislauf macht bald schlapp durch das viele lange Ausatmen. Nein, das geht diesmal nicht. Dieses Mal muss ich lauter und mit Stimme tönen.
Ich kann jetzt auch gar nicht mehr viel denken, lasse einfach geschehen.
Ich weiß, dass das Kind jetzt kommt und mein Körper weiß, was zu tun ist. Wie es auf meiner Affirmationskarte steht, die neben dem Pool an der Wand hängt. Ich lasse los und versuche einfach, mich hinzugeben und der Geburt nicht entgegenzustehen.
Es dauert noch ein paar Wellen und dann spüre ich schon, wie das Köpfchen kommt.
Ich fühle mit meiner Hand die weiche, samtige Kopfhaut unseres Babys.
Mein Mann sitzt von Anfang an hinter mir im Pool. Er pustet mir unaufhörlich über den nassen Rücken, was sehr gut tut, weil mir immer noch so unendlich heiß ist und das Pusten den Rücken und mich abkühlt.
Einmal gebe ich Sarah den Lappen, damit sie ihn nochmal mit kaltem Wasser ausspült. Ich bin froh, dass er so groß und saugstark ist, dass ich ihn mir bei den Wehen kühlend über das ganze Gesicht pressen kann.
Ansonsten sitzt Sarah einfach nur zirka einen Meter vom Pool entfernt und beobachtet mich still und aufmerksam.
Auf einem ihrer Zettel zu Beginn der Schwangerschaft, stand die Frage, was ich mir von ihr als Hebamme wünsche, wie sie die Geburt begleitet. Da habe ich draufgeschrieben: „Als stille Beobachterin im Hintergrund“.
Und genau so verhält sie sich nun – perfekt!
Kurz denke ich an die Mädels und dass sie doch bei der Geburt dabei sein sollten, aber dann überlege ich, ob es sie verunsichern könnte, wenn ich so laut töne und ob es besser ist, sie bleiben oben. Ich kann auch weiter nicht darüber nachdenken oder sprechen, weil ich wieder ganz von der Geburt eingenommen werde.
Dann ist das Köpfchen geboren!
Die Wellen kommen jetzt in kurzen Abständen, es gibt kaum Pausen.
Aber eine oder zwei Pausen gibt es doch und die genieße ich sehr, um kurz zu verschnaufen. Das tut unheimlich gut.
Dann geht es weiter.
Und ich spüre, wie sich auch der restliche Babykörper langsam herausschiebt. Ich drehe mich auf die Seite und meine Hände gehen zu meinem Baby. Ich halte es, spüre, wie die Füßchen noch drin sind.
„Ruf doch mal die Kinder“, sage ich jetzt zu meinem Mann, der Lavanda und Fleur nach unten ruft.
Sie kommen auch sofort und stehen dann neben dem Pool. Sie sehen das Baby noch unter Wasser und sind dabei, als auch die Füßchen geboren werden und ich unser Baby zu mir hochnehme und auf meine Brust lege.
Wir haben es geschafft!!
Unser Baby ist ein bisschen bläulich, aber wird schnell rosig. Sarah holt vorgewärmte Handtücher aus dem Backofen.
Wir staunen.
Dann schauen wir nach, welches Geschlecht unser Baby hat.
Es ist ein Junge! 🙂
Wir machen ein paar erste gemeinsame Fotos.
Mein Mann erzählt, dass er bemerkt hat, dass ein kleines Loch im Pool ist, aber zum Glück bleibt er trotzdem ganz gut aufgeblasen.
Da es im Wasser bald doch etwas kühl wird, ziehen wir aufs Sofa-Bett um und packen unseren Sohn nochmal in frische, trockene Handtücher auf meinen Bauch.
Sarah macht auch noch eine Wärmflasche, die ihn zusätzlich wärmen soll.
Wir kuscheln und sind ganz glücklich und baff, dass es wieder alles so schnell und unkompliziert ging.
Sarah zieht sich zurück. Sie macht sich Notizen und wie ich später sehe, häkelt sie ein Nabelschnurband, ein kleines Blümchen. Mein Mann holt jetzt auch seine Mutter runter, die kurz zu uns schaut, unser Baby begrüßt und sich dann wieder in die Küche, bzw. an den Esstisch zurückzieht.
Die Mädels bestaunen noch eine Weile die kleinen Fingerchen und Füßchen von unserem Baby, dann gehen auch sie wieder zu ihrer Oma und mein Mann und ich kuscheln eine Weile allein mit unserem Baby.
Nach einer Weile wollen wir dann schauen, ob die Plazenta auf dem Bett kommen mag.
Ich gebe meinem Mann unser Baby auf den Bauch, die Nabelschnur ist noch dran und gerade lang genug. Wir machen Unterlagen aufs Bett und ich gehe in den Vierfüßlerstand, aber so will es noch nicht klappen. Obwohl ich eigentlich schon einen Druck verspüre und nur ein bisschen das Gefühl habe, ich würde nicht richtig loslassen können, sondern eher die Plazenta noch zurückhalten wollen.
Sarah schlägt vor, zur Toilette zu gehen. Dort habe ich auch bei den Mädels die Plazenta bekommen. Also gut.
Die Nabelschnur ist immer noch dran.
Ich trage das Baby, Sarah hält mir eine Einmalunterlage zwischen die Beine und mein Mann trägt eine Schüssel für die Plazenta. Sicher ein lustig anzusehender Zug, der da auf die Toilette tingelt. 😉
Die Schüssel passt nicht ins Klo, daher setzt sich Sarah vor mich und sagt, sie fängt die Plazenta dann auf.
Ich soll jetzt leicht mitschieben. Etwas husten. Ja, da kommt sie schon Stück für Stück heraus und Sarah legt sie in die Schüssel. Wir tigern zurück zum Bett.
Kurz darauf schneidet mein Mann gemeinsam mit Lavanda und Fleur die Nabelschnur durch.
Sarah hat nach der dünnsten Stelle, der Sollbruchstelle, wie sie sagt, geschaut. Sie sagt, dann falle der Nabelrest viel schneller ab. Sie bindet mit dem gehäkelten Blümchen die Nabelschnur ab. Ich freue mich sehr über das Blümchen, denn ich hatte auch eins häkeln wollen, es dann aber immer wieder vergessen. Viel besser und hübscher als so eine harte Klemme!
Später macht Sarah noch die U1. Unser Baby wiegt 3710 Gramm und ist 51 cm groß.
Dann wickelt sie ihn in eine Mullwindel und wir hüllen ihn in eine große, kuschelige Wolledecke ein.
Sarah wird noch auf ein Stück Torte eingeladen, ich bleibe mit unserem Baby im Bett liegen und kriege die Tischgespräche nur am Rande mit.
Später ziehen wir ins Bett im Schlafzimmer um, aber ich bin noch so voller Adrenalin, dass an Schlafen kaum zu denken ist. So liege ich die halbe Nacht wach.
Mein Mann pumpt noch das Wasser aus dem Pool und kommt später ins Bett, kann aber auch kaum schlafen.
Wir freuen uns sehr, über dieses weitere so schöne und selbstbestimmte Geburtserlebnis und sind ganz glücklich über unseren Sohn.
Herzlich Willkommen auf der Welt kleiner Bub! 🙂
Kleines Nachwort:
Im Nachhinein denke ich mal wieder, wir hätten das Wasser für den Pool ruhig schon früher einlassen können. So schnell wird es nun auch nicht wieder kalt bei der Wassermenge und schon gar nicht im Hochsommer!
Außerdem finde ich es ein bisschen schade, dass die Mädels nicht komplett bei der Geburt dabei waren und glaube auch gar nicht, dass mein Tönen sie verunsichert hätte. (Vielleicht sogar noch weniger, wenn sie mich gesehen hätten, als mich nur zu hören!?)
Aber es ist auch ok so, wie es war und ich bin einfach nur dankbar für diese dritte wundervolle Hausgeburt!
Liebe Sophie,
wieso muss ich bei schönen Geburtsberichten eigentlich immer heulen? 🙂 Jedenfalls danke, dass du deine dritte Hausgeburt teilst. Ich bin mir sicher, sie wird noch viele Mütter, Mädchen und Hebammen beflügeln.
Was meinen denn deine Mädchen inzwischen dazu, dass sie „nur“ die Geburt der Füßchen sahen und den Rest eher mit den Ohren mitbekamen?
Meine Kinder haben mein lautes Geburtsgeschrei ja bis zum 4. Baby ebenso Zuhause mitgekriegt und ich (und sie selbst) habe(n) den Eindruck, es hat sie überhaupt nicht verstört. „Die kriegt ’n süßes Baby, da ist das halt so“, meinten die Kinder und damals sogar die Nachbarn im Haus, den ich nachts sicher den Schlaf unterbrach.
Viele liebe Grüße
So eine wunderschöne Geburt. Danke, dass du sie mit uns teilst und so dazu beiträgt dass Frauen die wunderbare Natürlichkeit der Geburt gezeigt bekommen. Genau so soll es sein: friedlich ohne Zeitdruck, selbstbestimmt und ein bisschen magisch.
Ich wünsche jeder Frau so eine bestärkende und positive Geburt!